21 Stunden www
Beim Surfen im Internet begibt man sich leicht auf Abwege; durch Links zum Klicken verleitet, gerät man auf Seiten, auf die man ursprünglich gar nicht wollte. Auf diesen
verweilt man dann entweder ein paar Sekunden bis der nächste Link lockt, oder eine längere Zeit, wenn der Inhalt dazu einlädt. Auf diese Weise können ganz schnell mehrere Stunden verfliegen und das eigentliche Suchobjekt wird vergessen. Viele Deutsche verbringen inzwischen mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher! Wie die so verschwendete Zeit sichtbar gemacht wird, zeige ich in dieser Arbeit.
Spazieren, stundenlang
Spazieren, Schlendern, Flanieren; durch das ziellose Umherstreifen in Gegenden meiner Stadt, in denen ich noch nie zuvor gewesen bin, erschließen sich neue Gebiete. Ich entdecke Häuser und Straßen, die ich beim direkten Gang von A nach B niemals gefunden hätte. Durch das Kartieren meiner Spaziergänge aus dem Gedächtnis entsteht ein subjektives Bild der Stadt. Fotos halten Gefundenes fest.
Bücher sortieren, vier Stunden
Etwas zu sortieren gehört zu den schönsten Zeitverschwendungen. Im Falle des Bücherregals ist das Sortieren der Bücher nach Farben besonders sinnlos, da dadurch keine bessere Ordung hergestellt wird. Mit der farbigen Feinausrichtung kann man schon so einige Stunden verschwenden.
»Die Leiden des jungen Werther«, 46 Stunden
Einen kompletten Roman in ein leeres Buch abzuschreiben ist ein sinnloses Unterfangen und eine äußerst zeitraubende Tätigkeit. Verwöhnt von der Geschwindigkeit des Tippens auf der Computertastatur, ist das handschriftliche Kopieren von 207 Seiten eine echte Herausforderung.
83 Gegenstände, 47 Stunden
Mit welchen Gegenständen umgebe ich mich täglich in meiner Wohnung? Welche Objekte begleiten mich seit vielen Jahren? Wie lassen sich diese Objekte ordnen? 83 Gegenstände aus meinem häuslichen Umfeld habe ich fotografiert und freigestellt – was beispielsweise bei einem Rasierpinsel eine herrliche Zeitverschwendung sein kann.
Linien, endlos
Wie kann man sich schöner der Muße hingeben als durch eine stundenlange, gleichförmige Tätigkeit? Man könnte das Geschirr abspülen oder Linien zeichnen. Letzteres habe ich in dieser Arbeit ausgiebig getan. Ich habe auf alles Linien gezeichnet, was mir in die Hände kam. Vom Einkaufszettel bis zur Tageszeitung.
DIN A4/DIN A5/DIN A6, 52 Stunden
Auf einem A2-Blatt eine A4-Blatt große Fläche freilassen; den Rest mit einem handelsüblichen Kugelschreiber mit linierten Schraffuren bearbeiten. Dadurch ergibt sich eine mehr oder weniger gleichmäßige blaue Fläche. Ein Netz aus dünnen, schwarzen Linien über eine Seite spannen. Mit einem roten, dünnen Stift unterschiedlich große und verschieden dichte Gebiete aus Punkten erzeugen. Es entsteht eine gewachsene Landschaft.
Post it!
Die praktischen kleinen, gelben Notizzettel. Man kann sie beschreiben oder in Reih und Glied an die Wand heften. So wachsen sie zu Bildern heran. Das Endergebnis ist unklar.
Zeitverschwendung - Arbeiten für einen anderen Umgang mit der eigenen Zeit
Der Begriff „Zeitverschwendung“ ist vornehmlich negativ belegt. Wer die Zeit verschwendet, verschwendet das Kostbarste, was ihm oder ihr gegeben ist. Und doch möchte ich mit meiner Arbeit versuchen, Zeitverschwendung als etwas Positives darzustellen und Vorschläge zu einem anderem Umgang mit der eigenen Zeit zu machen.
Schlagworte wie „Zeitmanagement“ oder „Zeitwohlstand“ und eine Vielzahl an Ratgebern in Buchform zeigen, dass sich viele Menschen einen anderen Umgang mit ihrer Zeit wünschen. Der steten Beschleunigung in der Arbeitswelt und der rascheren Kommunikation durch E-Mail und Mobiltelefon folgt die Sehnsucht nach Entschleunigung und mehr Freizeit, um eigenen Interessen nachgehen zu können.
Moden wechseln immer schneller, das Verfallsdatum des neuesten elektronischen Gerätes rückt bedrohlich näher, es wird die beständige Sorge geweckt, nicht „zeitgemäß“ zu sein. Das erzeugt ein Gefühl von Haltlosigkeit und ein Verlangen nach beständigen Werten. Die Leistungsgesellschaft versperrt sich gegen wahre Wünsche und Bedürfnisse nach mehr Müßiggang.
Deshalb:
Gegen blinden Aktivismus!
Nichtstun als produktiver Zustand!